Ratgeber · Kalkulation am Bau

Stundensatz berechnen am Bau: 4 Schritte mit Beispiel

Für Verputzer, Maurer, Fassadenbauer und Baumeister: So berechnest du in vier Schritten, was eine Stunde in deinem Betrieb wirklich kosten muss.

Von Robert Batarilo·Oktober 2026·8 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Dein Stundensatz muss Lohnkosten, Gemeinkosten und Gewinn tragen – aber nur die produktiven Stunden bringen Geld. In unserem Beispielbetrieb mit 5 Mitarbeitern ergibt das € 62,40 netto. Wer € 55 verrechnet, verschenkt € 52.525 im Jahr.

Die meisten Verputz-, Maurer- und Fassadenbetriebe sind gut ausgelastet. Trotzdem bleibt am Jahresende oft weniger übrig als erwartet. Der häufigste Grund ist kein schlechter Auftrag, sondern ein Stundensatz, der irgendwann „nach Gefühl“ festgelegt oder von der Konkurrenz übernommen wurde.

In dieser Anleitung zeige ich dir, wie du deinen Stundensatz berechnen kannst – in 4 Schritten und mit einem durchgängigen Beispiel. Du kannst jeden Schritt mit deinen eigenen Zahlen nachrechnen oder gleich den kostenlosen Stundensatz-Rechner verwenden.

Stundensatz berechnen: die Formel

Stundensatz netto = (Lohnkosten je produktiver Stunde + Gemeinkosten je produktiver Stunde) × (1 + Wagnis & Gewinn)

Klingt einfach. Die Tücke steckt in den produktiven Stunden: Viele rechnen mit den bezahlten Stunden – und liegen damit sofort deutlich zu tief.

Stundensatz berechnen mit dem kostenlosen Excel-Rechner von Formelfuchs
Stundensatz berechnen in Excel: gelbe Felder ausfüllen, der Rest rechnet sich selbst.

Schritt 1: Produktive Stunden je Mitarbeiter

Bezahlt wird jede Stunde, verrechnen kannst du aber nur die Stunden, in denen auf der Baustelle gearbeitet wird. Urlaub, Feiertage, Krankenstand, Schlechtwetter, Fahrten, Lager und Nacharbeit zahlst du trotzdem.

Beispiel: ein MitarbeiterWert
Werktage pro Jahr (ohne Wochenenden & Feiertage)248 Tage
– Urlaub25 Tage
– Krankenstand & Schulung11 Tage
= Anwesenheitstage212 Tage
× 7,8 Stunden pro Tag (39-Stunden-Woche)1.654 h
– Schlechtwetter40 h
– nicht verrechenbare Zeit (Fahrten, Lager, Nacharbeit): 12 %194 h
Produktive Stunden je Mitarbeiter1.420 h

Von rund 2.030 bezahlten Stunden (52 Wochen × 39 h) bleiben 1.420 produktive Stunden. Genau durch diese Zahl müssen alle Kosten geteilt werden.

Schritt 2: Lohnkosten je produktiver Stunde

Zum Bruttolohn kommen in Österreich 14 Gehälter und die Lohnnebenkosten des Dienstgebers – am Bau inklusive BUAK. Wir rechnen im Beispiel mit 30 % als Platzhalter; deinen echten Wert bekommst du von der Lohnverrechnung.

MitarbeitergruppePersonalkosten pro Jahr
1 Vorarbeiter (€ 3.600 brutto × 14 + 30 %)€ 65.520
3 Facharbeiter (je € 3.100 brutto × 14 + 30 %)€ 169.260
1 Helfer (€ 2.600 brutto × 14 + 30 %)€ 47.320
Personalkosten Baustelle gesamt€ 282.100

5 Mitarbeiter × 1.420 produktive Stunden = 7.100 Stunden pro Jahr.
€ 282.100 ÷ 7.100 h = € 39,73 Lohnkosten je produktiver Stunde.

Büro und Geschäftsführung gehören nicht hierher, sondern zu den Gemeinkosten. Arbeitest du selbst voll auf der Baustelle mit, zählst du dich als Mitarbeiter.

Schritt 3: Gemeinkosten je produktiver Stunde

Gemeinkosten sind alle Kosten, die keiner einzelnen Baustelle zugeordnet werden – und die trotzdem jemand bezahlen muss.

Gemeinkosten pro JahrBetrag
Unternehmerlohn / Geschäftsführung€ 60.000
Büro, Verwaltung & Miete€ 21.600
Fahrzeuge (Leasing, Treibstoff, Versicherung)€ 24.000
Maschinen, Werkzeug, Geräte€ 8.000
Versicherungen, Steuerberatung, IT & Sonstiges€ 14.500
Gemeinkosten gesamt€ 128.100

€ 128.100 ÷ 7.100 h = € 18,04 Gemeinkosten je produktiver Stunde.

Der größte Posten wird am häufigsten vergessen: dein eigener Lohn. Wenn du ihn nicht einrechnest, arbeitest du am Ende für das, was zufällig übrig bleibt.

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Schritt 4: Wagnis & Gewinn aufschlagen

Zusammensetzung je StundeBetrag
Lohnkosten€ 39,73
+ Gemeinkosten€ 18,04
= Selbstkosten€ 57,78
+ Wagnis & Gewinn (8 %)€ 4,62
Stundensatz netto€ 62,40

Mit 20 % Umsatzsteuer sind das € 74,88 brutto für Privatkunden. Die Selbstkosten von € 57,78 sind deine Untergrenze: Darunter verlierst du mit jeder Stunde Geld.

Der Zuschlag für Wagnis & Gewinn ist kein Luxus. Er bezahlt Gewährleistung, Ausfälle von Kunden, schlechte Monate und die Rücklagen für neue Geräte.

Warum es sich lohnt, den Stundensatz zu berechnen

Angenommen, der Beispielbetrieb verrechnet heute € 55 je Stunde:

€ 62,40 − € 55,00 = € 7,40 fehlen je Stunde
€ 7,40 × 7.100 Stunden = € 52.525 pro Jahr

Das ist Geld, das schon gearbeitet, aber nie verrechnet wurde. Umgekehrt gilt: Jeder Euro mehr je Stunde bringt bei 7.100 Stunden € 7.100 pro Jahr.

5 typische Fehler beim Stundensatz

  1. Mit bezahlten statt produktiven Stunden rechnen. Der Klassiker – und der teuerste Fehler.
  2. Den eigenen Unternehmerlohn vergessen. Er gehört in die Gemeinkosten.
  3. Lohnnebenkosten zu niedrig ansetzen. BUAK, Schlechtwetterregelung und Sonderzahlungen machen am Bau einen großen Unterschied.
  4. Den Satz der Konkurrenz übernehmen. Deren Kosten sind nicht deine Kosten.
  5. Einmal rechnen und nie wieder. Kollektivvertrag, Treibstoff und Versicherungen ändern sich jedes Jahr – dein Stundensatz muss mitgehen.

Vom Stundensatz zum m²-Preis

Kunden fragen selten nach dem Stundensatz, sondern nach dem Preis pro m². Der Stundensatz steckt aber in jedem m²-Preis:

m²-Preis = Stunden je m² × Stundensatz + Material je m² × (1 + Materialaufschlag)
Beispiel Innenputz (Beispielwerte)Betrag
0,35 h/m² × € 62,40€ 21,84
+ Material € 6,50/m² × 1,15 (15 % Aufschlag)€ 7,48
m²-Preis netto€ 29,32

Mit dem alten Satz von € 55 hätte derselbe m² nur € 26,73 gekostet – bei 1.000 m² sind das € 2.590 Unterschied auf einer einzigen Baustelle.

Wer nach ÖNORM B 2061 kalkuliert, kennt die Logik aus dem K3-Blatt (Mittellohnpreis) und dem K7-Blatt (Einheitspreis). Für die tägliche Angebotskalkulation in einem kleineren Betrieb reicht meist die einfache Rechnung oben – entscheidend ist, dass sie mit deinen echten Zahlen gemacht wird.

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Fazit

Wer seinen Stundensatz berechnen lässt oder selbst nachrechnet, hat die Grundlage für jeden m²-Preis und jedes Angebot. Die Rechnung dauert einmal eine Stunde – und sollte jedes Jahr wiederholt werden. Mit dem kostenlosen Stundensatz-Rechner geht das in 10 Minuten. Und wenn du jeden Auftrag mit diesem Stundensatz durchrechnen willst, schau dir das Formelfuchs-Kalkulationstool an.

Alle Zahlen sind Beispielwerte zur Veranschaulichung, keine Branchenrichtwerte. Lohnnebenkosten und Gemeinkosten bitte mit Lohnverrechnung bzw. Steuerberatung abstimmen.

Häufige Fragen zum Stundensatz

Wie hoch ist ein normaler Stundensatz am Bau?

Einen allgemein gültigen Wert gibt es nicht. Er hängt von deinen Löhnen, deinen produktiven Stunden und deinen Gemeinkosten ab. Zwei Betriebe im selben Ort können völlig unterschiedliche Stundensätze brauchen. Rechne deshalb immer mit deinen eigenen Zahlen.

Was sind produktive Stunden?

Die Stunden, die du einem Kunden tatsächlich verrechnen kannst. Urlaub, Feiertage, Krankenstand, Schlechtwetter, Fahrten, Lager und Nacharbeit zählen nicht dazu. Im Beispiel dieses Artikels bleiben von rund 2.030 bezahlten Stunden nur 1.420 produktive Stunden je Mitarbeiter.

Was gehört in die Gemeinkosten?

Alles, was keiner einzelnen Baustelle zugeordnet wird: Unternehmerlohn, Büro und Verwaltung, Miete, Fahrzeuge, Maschinen und Werkzeug, Versicherungen, Steuerberatung, IT und Marketing.

Wie oft sollte ich meinen Stundensatz neu berechnen?

Mindestens einmal im Jahr – am besten, wenn der neue Kollektivvertrag gilt. Zusätzlich immer dann, wenn sich deine Kosten deutlich ändern, zum Beispiel durch einen neuen Mitarbeiter oder ein neues Fahrzeug.

Stundensatz netto oder brutto?

Kalkuliert wird immer netto. Für Privatkunden kommt die Umsatzsteuer dazu – in Österreich 20 %. Gegenüber Unternehmen weist du den Nettobetrag plus Umsatzsteuer aus.