Kurz gesagt: Dein Stundensatz muss Lohnkosten, Gemeinkosten und Gewinn tragen – aber nur die produktiven Stunden bringen Geld. In unserem Beispielbetrieb mit 5 Mitarbeitern ergibt das € 62,40 netto. Wer € 55 verrechnet, verschenkt € 52.525 im Jahr.
Die meisten Verputz-, Maurer- und Fassadenbetriebe sind gut ausgelastet. Trotzdem bleibt am Jahresende oft weniger übrig als erwartet. Der häufigste Grund ist kein schlechter Auftrag, sondern ein Stundensatz, der irgendwann „nach Gefühl“ festgelegt oder von der Konkurrenz übernommen wurde.
In dieser Anleitung zeige ich dir, wie du deinen Stundensatz berechnen kannst – in 4 Schritten und mit einem durchgängigen Beispiel. Du kannst jeden Schritt mit deinen eigenen Zahlen nachrechnen oder gleich den kostenlosen Stundensatz-Rechner verwenden.
Stundensatz berechnen: die Formel
Klingt einfach. Die Tücke steckt in den produktiven Stunden: Viele rechnen mit den bezahlten Stunden – und liegen damit sofort deutlich zu tief.

Schritt 1: Produktive Stunden je Mitarbeiter
Bezahlt wird jede Stunde, verrechnen kannst du aber nur die Stunden, in denen auf der Baustelle gearbeitet wird. Urlaub, Feiertage, Krankenstand, Schlechtwetter, Fahrten, Lager und Nacharbeit zahlst du trotzdem.
| Beispiel: ein Mitarbeiter | Wert |
|---|---|
| Werktage pro Jahr (ohne Wochenenden & Feiertage) | 248 Tage |
| – Urlaub | 25 Tage |
| – Krankenstand & Schulung | 11 Tage |
| = Anwesenheitstage | 212 Tage |
| × 7,8 Stunden pro Tag (39-Stunden-Woche) | 1.654 h |
| – Schlechtwetter | 40 h |
| – nicht verrechenbare Zeit (Fahrten, Lager, Nacharbeit): 12 % | 194 h |
| Produktive Stunden je Mitarbeiter | 1.420 h |
Von rund 2.030 bezahlten Stunden (52 Wochen × 39 h) bleiben 1.420 produktive Stunden. Genau durch diese Zahl müssen alle Kosten geteilt werden.
Schritt 2: Lohnkosten je produktiver Stunde
Zum Bruttolohn kommen in Österreich 14 Gehälter und die Lohnnebenkosten des Dienstgebers – am Bau inklusive BUAK. Wir rechnen im Beispiel mit 30 % als Platzhalter; deinen echten Wert bekommst du von der Lohnverrechnung.
| Mitarbeitergruppe | Personalkosten pro Jahr |
|---|---|
| 1 Vorarbeiter (€ 3.600 brutto × 14 + 30 %) | € 65.520 |
| 3 Facharbeiter (je € 3.100 brutto × 14 + 30 %) | € 169.260 |
| 1 Helfer (€ 2.600 brutto × 14 + 30 %) | € 47.320 |
| Personalkosten Baustelle gesamt | € 282.100 |
5 Mitarbeiter × 1.420 produktive Stunden = 7.100 Stunden pro Jahr.
€ 282.100 ÷ 7.100 h = € 39,73 Lohnkosten je produktiver Stunde.
Büro und Geschäftsführung gehören nicht hierher, sondern zu den Gemeinkosten. Arbeitest du selbst voll auf der Baustelle mit, zählst du dich als Mitarbeiter.
Schritt 3: Gemeinkosten je produktiver Stunde
Gemeinkosten sind alle Kosten, die keiner einzelnen Baustelle zugeordnet werden – und die trotzdem jemand bezahlen muss.
| Gemeinkosten pro Jahr | Betrag |
|---|---|
| Unternehmerlohn / Geschäftsführung | € 60.000 |
| Büro, Verwaltung & Miete | € 21.600 |
| Fahrzeuge (Leasing, Treibstoff, Versicherung) | € 24.000 |
| Maschinen, Werkzeug, Geräte | € 8.000 |
| Versicherungen, Steuerberatung, IT & Sonstiges | € 14.500 |
| Gemeinkosten gesamt | € 128.100 |
€ 128.100 ÷ 7.100 h = € 18,04 Gemeinkosten je produktiver Stunde.
Der größte Posten wird am häufigsten vergessen: dein eigener Lohn. Wenn du ihn nicht einrechnest, arbeitest du am Ende für das, was zufällig übrig bleibt.
Schritt 4: Wagnis & Gewinn aufschlagen
| Zusammensetzung je Stunde | Betrag |
|---|---|
| Lohnkosten | € 39,73 |
| + Gemeinkosten | € 18,04 |
| = Selbstkosten | € 57,78 |
| + Wagnis & Gewinn (8 %) | € 4,62 |
| Stundensatz netto | € 62,40 |
Mit 20 % Umsatzsteuer sind das € 74,88 brutto für Privatkunden. Die Selbstkosten von € 57,78 sind deine Untergrenze: Darunter verlierst du mit jeder Stunde Geld.
Der Zuschlag für Wagnis & Gewinn ist kein Luxus. Er bezahlt Gewährleistung, Ausfälle von Kunden, schlechte Monate und die Rücklagen für neue Geräte.
Warum es sich lohnt, den Stundensatz zu berechnen
Angenommen, der Beispielbetrieb verrechnet heute € 55 je Stunde:
€ 7,40 × 7.100 Stunden = € 52.525 pro Jahr
Das ist Geld, das schon gearbeitet, aber nie verrechnet wurde. Umgekehrt gilt: Jeder Euro mehr je Stunde bringt bei 7.100 Stunden € 7.100 pro Jahr.
5 typische Fehler beim Stundensatz
- Mit bezahlten statt produktiven Stunden rechnen. Der Klassiker – und der teuerste Fehler.
- Den eigenen Unternehmerlohn vergessen. Er gehört in die Gemeinkosten.
- Lohnnebenkosten zu niedrig ansetzen. BUAK, Schlechtwetterregelung und Sonderzahlungen machen am Bau einen großen Unterschied.
- Den Satz der Konkurrenz übernehmen. Deren Kosten sind nicht deine Kosten.
- Einmal rechnen und nie wieder. Kollektivvertrag, Treibstoff und Versicherungen ändern sich jedes Jahr – dein Stundensatz muss mitgehen.
Vom Stundensatz zum m²-Preis
Kunden fragen selten nach dem Stundensatz, sondern nach dem Preis pro m². Der Stundensatz steckt aber in jedem m²-Preis:
| Beispiel Innenputz (Beispielwerte) | Betrag |
|---|---|
| 0,35 h/m² × € 62,40 | € 21,84 |
| + Material € 6,50/m² × 1,15 (15 % Aufschlag) | € 7,48 |
| m²-Preis netto | € 29,32 |
Mit dem alten Satz von € 55 hätte derselbe m² nur € 26,73 gekostet – bei 1.000 m² sind das € 2.590 Unterschied auf einer einzigen Baustelle.
Wer nach ÖNORM B 2061 kalkuliert, kennt die Logik aus dem K3-Blatt (Mittellohnpreis) und dem K7-Blatt (Einheitspreis). Für die tägliche Angebotskalkulation in einem kleineren Betrieb reicht meist die einfache Rechnung oben – entscheidend ist, dass sie mit deinen echten Zahlen gemacht wird.
Fazit
Wer seinen Stundensatz berechnen lässt oder selbst nachrechnet, hat die Grundlage für jeden m²-Preis und jedes Angebot. Die Rechnung dauert einmal eine Stunde – und sollte jedes Jahr wiederholt werden. Mit dem kostenlosen Stundensatz-Rechner geht das in 10 Minuten. Und wenn du jeden Auftrag mit diesem Stundensatz durchrechnen willst, schau dir das Formelfuchs-Kalkulationstool an.
Alle Zahlen sind Beispielwerte zur Veranschaulichung, keine Branchenrichtwerte. Lohnnebenkosten und Gemeinkosten bitte mit Lohnverrechnung bzw. Steuerberatung abstimmen.
